Eine Einführung in die „Danke, aber ich weiß es schon“ - Momente
Mansplaining - für viele ist das einfach nur ein dahin geworfenes Buzzword. Dabei handelt es sich um einen Begriff, der sich aus „man“ und „explaining“ zusammensetzt, er beschreibt also die leidselige Situation, in der ein Mann einer Frau ungefragt etwas erklärt, obwohl diese sich bereits bestens mit dem Thema auskennt. Gemeint ist also nicht der nette Erklärbär, sondern der penetrante Besserwisser, der es aus unerklärlichen Gründen für nötig hält, sein Wissen mit uns teilen zu müssen. Typische Merkmale sind eine autoritäre Haltung, das Absprechen von Expertise und lange Monologe, die keine Lücke für Widerspruch lassen.
Warum das nervt? Weil es Wissen ignoriert, Macht demonstriert und Frauen in ihrer Kompetenz infrage stellt. Ein Paradebeispiel dafür ist es, wenn ein Mann einer Frau “erklärt” wie IHRE Menstruation funktioniert oder wie IHRE Erfahrung mit sexueller Belästigung einzuordnen seien.
Warum Männer erklären, was Frauen längst wissen
Die Wurzeln dafür liegen, wer hätte es geahnt, im Patriarchat und der damit einhergehenden Vorstellung, Frauen würde es systematisch an Wissen mangeln. Historisch zeigt sich das in unterschiedlichsten Mustern, die aber alle eines gemeinsam haben: männliche Autorität gepaart mit dem Infragestellen weiblicher Expertise.
Studien zeigen beispielsweise, dass Frauen insbesondere im beruflichen Kontext etwa 33% häufiger unterbrochen werden als Männer. Mansplainer dulden keinen Widerspruch und dominieren Monologe, ganz gleich wie qualifiziert ihr Gegenüber.

Der Hidden Bias
Als wäre es nicht schlimm genug, dass viele Männer das Wort ergreifen, wenn es ihnen gar nicht zusteht, kommen erschwerend auch noch einige psychologische Kniffe hinzu, die es Frauen schwerer machen, ernst genommen zu werden. So werden beispielsweise tiefe Stimmen als autoritärer wahrgenommen werden, während hohe Stimmen (typisch weiblich) weniger ernst genommen werden. Oder blicken wir etwa auf das sogenannte “Pretty Privilege”, so muss man auch hier feststellen, dass dieses zumindest im Berufskontext nur für Männer gilt. Während Attraktivität bei Männer ihre Glaubwürdigkeit steigert, wird “Schönheit” bei Frauen oft mit „Dummheit“ assoziiert. Mansplaining spielt genau in diese Denkfehler hinein: Männer wirken (fälschlicherweise) kompetenter und werden dann auch noch in dem Gefühl bestätigt, dass das tatsächlich stimmt.
“Self-Mansplaining” by Socialization
Wird eine Frau ihr ganzes Leben mit derlei Verhaltensweisen konfrontiert, kann das im schlimmsten Fall dazu führen, dass Frauen dieses Verhalten nicht nur bagatellisieren, sondern so sehr verinnerlichen, dass sie sich dem System fügen und unterordnen, Stichwort Imposter Syndrom. Sozialisation zwingt Frauen häufig in die Defensive und verstärkt es, dass Frauen ihre eigenen Kompetenzen und Leistungen Kleinreden. Frauen entschuldigen sich oft, bevor sie etwas erklären („Vielleicht irre ich mich…“) und das obwohl sie die Expertinnen sind. Dieses Muster wird gesellschaftlich als „normal“ empfunden und jede noch so emanzipierte Frau muss sich vermutlich eingestehen (uns eingeschlossen), dass wir schon mal eine E-Mail mit: “Ich bin mir nicht sicher, aber könnte es nicht sein, dass…” gestartet haben, nicht etwa weil wir uns tatsächlich unsicher waren, sondern schlicht weil wir es so gelernt haben.

Nein zu Mansplaining
Wer sich für das Thema Mansplaining interessiert und im Alltag darauf aufmerksam machen möchte, findet bei uns coole Designs, die genau dieses Thema aufgreifen. Unsere No Shit Shirts, Sweaters, Taschen und mehr, sind perfekt, um auf humorvolle und selbstbewusste Weise Grenzen zu markieren, das Gespräch anzustoßen und Rollenklischees sichtbar zu machen.
Takeaways
- Merkmale erkennen: Autoritäre Haltung, Monologe, Absprechen von Expertise
- Selbstbewusstsein braucht Klarstellung: Frauen werden systematisch häufiger unterbrochen, der Spieß muss umgekehrt werden
- Biases machen es extra schwer: Biases (tiefe Stimme, Pretty Privilege) lassen Männer (zu Unrecht) autoritärer und kompetenter wirken
Quellen (Stand: 13.12.2025):
Antidiskriminierungsstelle des Bundes - Geschlechterdiversität in Beschäftigung und Beruf
Antidiskriminierungsstelle des Bundes - Diversity-Prozesse in und durch Verwaltungen anstoßen: Maßnahmen zur Herstellung von Chancengleichheit
Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend - Sexismus im Alltag
Journal of Personality and Social Psychology - Meta-accuracy and relationship quality: Weighing the costs and benefits of knowing what people really think about you.
Scienceholic - The Psychology Behind Pretty Privilege
Otto von Guericke Universität Magdeburg - Imposter Syndrom
SSRN Electronic Journal - Sounds Like a Winner: Voice Pitch Influences Perception of Leadership Capacity
American Scientist - How Voice Pitch Influences Our Choice of Leaders